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Gartenboden kalken

Kalk macht Väter reich und Söhne arm!

altes Sprichwort

So oder so ähnlich lautet ein altbekanntes Sprichwort. Es besagt, dass eine Ausbringung von damals üblichem Branntkalk zwar vorübergehend den Ertrag steigert, aber auf lange Sicht dem Boden die notwendigen Nährstoffe entzogen werden. Wie also den Gartenboden kalken?

Seit wann nutzen die Menschen Kalk?

So genau weiß man das nicht. Aber es gibt ein ganzes Zeitalter, welches nach einer speziellen Form des Kalksteins benannt wird: die Kreidezeit. So ist es vorstellbar, dass unsere Vorfahren einst ihre Lagerfeuer mit Kalkstein schützten oder die Ausbreitung des Feuers verhindern wollten. Durch die Hitze der Feuer entstand so der erste gebrannte Kalk. Zumindest könnte es so gewesen sein.

Regnete es nun auf diesen gebrannten Kalk, bildete sich zusammen mit der Asche und der krümeligen Bodenschicht der erste primitive Mörtel.

Die Kelten düngten bereits lange vor der Zeitenwende ihre Felder mit Kalk. So wie damals üblich dürften sie sich dieses Wissen durch Beobachtungen der Natur angeeignet haben. Allerdings wussten sie nichts von pH-Werten oder Mineraldüngern.

Und vermutlich kannten sie auch nicht das eingangs zitierte Sprichwort von den reichen Vätern und armen Söhnen. Im Frühmittelalter dann begann die große Zeit der Alchimisten. Sie entdeckten die alkalische Wirkung von Kalk und stellten eine Seife auf Holzaschenbasis her.

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Gilt das Sprichwort „reiche Väter – arme Söhne“ heute noch?

Nein. Zumindest nicht, wenn man die Böden ausreichend düngt. Denn die Kalkung unterstützt zwar die Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen, aber Kalk ersetzt keinen Mineraliendünger. Daher sollte man die Begriffe „kalken“ und „düngen“ differenzieren.

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Warum sollte man den Gartenboden regelmäßig kalken?

Böden versauern mit der Zeit. Das liegt daran, dass Ackerboden oder Gartenerde sehr viel mehr ist als eine leblose Substanz. Die oberste Bodenschicht ist wie ein zusammenhängender Organismus zu begreifen, in dem ständig chemische Prozesse ablaufen und wo pro Quadratmeter Abermilliarden von Bodenlebewesen einfache chemische Elemente verstoffwechseln.

Über die Bodenatmung wird Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre entnommen und im Boden gespeichert. Dadurch sinkt der pH-Wert ständig und dies kann sich mit der Zeit ungünstig auf die Nährstoffversorgung unserer Nutzpflanzen auswirken.

Welcher Boden braucht Kalk?

Für Böden, die für den Anbau von Nutzpflanzen verwendet werden, ist eine regelmäßige Verabreichung von Kalk unerlässlich. Für Rasenflächen sprechen optische Gründe dafür, wenn Moos oder Klee mehr und mehr das Gras verdrängen. Ob eine Gabe von Kalk erforderlich ist, stellt man am besten durch eine Messung des pH-Wertes fest. So kann man auch ermitteln, wie viel Kalk erforderlich ist, denn zu viel Kalk ist wiederum kontraproduktiv.

Wie man den pH-Wert einfach ermitteln kann, zeigt dieses Video:

Eignet sich jeder Kalk?

Nein. Je nach Herkunft setzt sich Düngekalk aus den Bestandteilen Magnesiumcarbonat und Calciumcarbonat in unterschiedlichen Bestandteilen zusammen. Magnesium ist ein wichtiger Makronährstoff für die Fotosynthese und daher unverzichtbar. Calcium hingegen ist für den Wachstumsprozess erforderlich.

Auch spielt der Zustand und die Beschaffenheit des Bodens eine wesentliche Rolle. Ist der Boden stark versauert, ist eine sogenannte Gesundungskalkung erforderlich. Hierfür eignet sich bei leichten Böden ein natürlich vorkommender, aus Steinen gebrochener, gemahlener Kalk, der im Handel meist als kohlensaurer Kalk erhältlich ist.

Bei schweren Böden können Branntkalke zur Verbesserung des Bodengefüges zum Einsatz kommen. Branntkalke wirken schneller und sind mit oder ohne Magnesiumanteil erhältlich. Branntkalk findet vorwiegend in der Landwirtschaft Anwendung, ist aber auch in 20 kg – Gebinden für den Gartenfreund erhältlich.

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Welche Auswirkungen hat Kalkmangel auf Gemüsepflanzen?

Kalkmangel, auch als Bodenversauerung oder Versauerung des Bodens bezeichnet, kann verschiedene Auswirkungen auf Gemüsepflanzen haben. Kalk, in Form von Calciumcarbonat (CaCO3), ist wichtig für die Bodenchemie und die Gesundheit von Pflanzen. Hier sind einige der Auswirkungen von Kalkmangel auf Gemüsepflanzen:

  1. Verschlechterte Nährstoffaufnahme: Ein saurer Boden (niedriger pH-Wert) aufgrund von Kalkmangel kann die Aufnahme von Nährstoffen durch die Pflanzenwurzeln beeinträchtigen. Bestimmte Nährstoffe wie Phosphor, Kalium und Spurenelemente werden bei niedrigem pH-Wert weniger verfügbar.
  2. Toxizität von Aluminium: In sauren Böden kann Aluminium leichter gelöst werden, und hohe Aluminiumkonzentrationen können für Pflanzen toxisch sein und ihr Wachstum hemmen.
  3. Verändertes Mikrobenleben: Bodenmikroorganismen spielen eine entscheidende Rolle bei der Mineralisierung von organischen Stoffen und der Verfügbarkeit von Nährstoffen für Pflanzen. Ein saurer Boden kann das Bodenmikrobenleben beeinträchtigen, was wiederum das Pflanzenwachstum negativ beeinflussen kann.
  4. Wurzelentwicklung: Pflanzen in sauren Böden können Schwierigkeiten bei der Entwicklung ihrer Wurzeln haben, was zu einer geringeren Wasseraufnahme und Nährstoffaufnahme führt.
  5. Krankheitsanfälligkeit: Pflanzen, die in sauren Böden wachsen, sind oft anfälliger für Krankheiten, insbesondere Wurzelkrankheiten. Ein ausgeglichener pH-Wert kann die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegenüber Krankheiten erhöhen.
  6. Verringerte Erträge und Qualitätsverlust: Kalkmangel kann zu verringerten Erträgen führen und die Qualität der geernteten Gemüse beeinträchtigen. Dies kann sich negativ auf den landwirtschaftlichen Ertrag auswirken.

Welche Auswirkungen kann Überkalkung haben?

Überkalkung, auch als alkalische Bodenbedingungen bezeichnet, tritt auf, wenn zu viel Kalk (Calciumcarbonat, CaCO3) in den Boden gelangt und den pH-Wert des Bodens über das für die meisten Pflanzen geeignete Maß anhebt. Dies kann ebenfalls negative Auswirkungen auf Pflanzen und Bodenprozesse haben. Hier sind einige der möglichen Auswirkungen von Überkalkung:

  1. Nährstoffunverfügbarkeit: In alkalischen Böden sind bestimmte Nährstoffe wie Eisen, Mangan, Zink und Phosphor oft weniger verfügbar, da sie bei höheren pH-Werten schwerer löslich sind. Dies kann zu Nährstoffmangel und damit verbundenen Wachstumsproblemen bei Pflanzen führen.
  2. Toxizität von bestimmten Elementen: Obwohl Aluminium in sauren Böden toxisch ist, kann es in alkalischen Böden in eine nicht-toxische Form umgewandelt werden. Dies kann dazu führen, dass Aluminium in höheren Konzentrationen vorliegt, was wiederum schädlich für Pflanzen sein kann.
  3. Veränderte Mikrobenaktivität: Das Bodenmikrobenleben kann in alkalischen Böden ebenfalls beeinträchtigt werden, was die Mineralisierung von organischen Materialien und die Nährstoffverfügbarkeit für Pflanzen beeinflusst.
  4. Blattverbrennungen: Bei einigen Pflanzen können Blattverbrennungen oder Chlorose (gelbe Blätter aufgrund von Chlorophyllmangel) auftreten, wenn der pH-Wert zu hoch ist, da dies die Fähigkeit der Pflanzen einschränken kann, Nährstoffe effizient aufzunehmen.
  5. Begrenzte Pflanzenauswahl: In stark alkalischen Böden können nur wenige Pflanzenarten gedeihen. Die meisten Gemüsepflanzen bevorzugen neutrale bis leicht saure Bedingungen und können in alkalischen Böden schlechter wachsen.
  6. Verschlechterte Bodenstruktur: Überkalkung kann die Bodenstruktur verändern und zu einer Versiegelung des Bodens führen, wodurch die Wasserinfiltration erschwert wird.

Um Überkalkung zu verhindern oder zu behandeln, ist es wichtig, den pH-Wert des Bodens regelmäßig zu überprüfen und die Zugabe von Kalk entsprechend zu regulieren. Bei stark alkalischen Böden kann es notwendig sein, spezielle Maßnahmen zu ergreifen, um den pH-Wert zu senken, wie die Zugabe von saurem organischem Material oder die Verwendung von saureren Düngemitteln.

Wann soll man den Gartenboden kalken?

Der beste Zeitpunkt für eine Bodenkalkung im Kleingarten ist nach der Ernte im Herbst und im zeitigen Frühjahr. Idealerweise sind die Beete laubfrei, damit der Kalk mit dem nächsten Niederschlag in den Boden gelangt. Um Wechselwirkungen mit Mineraldüngern zu vermeiden, sollte eine gleichzeitige Gabe von Kalk und Dünger vermieden werden.


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