Welches Gemüse passt zusammen? Mischkultur und Fruchtfolge

Warum muss man sich jedes Jahr aufs Neue mit der Aufteilung der einzelnen Gemüsebeete befassen? Welches Gemüse passt zusammen? Es wäre doch schön, diese Aufteilung nur ein einziges Mal machen zu müssen und dann jedes Jahr das gleiche Gemüse in die gleichen Beete zu pflanzen. Leider wird da nichts draus. Selbst bei ausreichender Düngung wird dort, wo Sellerie im ersten Jahr noch prächtig gediehen war, im zweiten die Ernte bereits deutlich geringer ausfallen und im dritten ein totaler Reinfall sein. Der Boden ist selleriemüde. Er braucht Erholung vom Sellerie und eine Frischzellenkur. Oder einfach gesagt, eine Abwechslung.

Die Gestaltung des Gemüsegartens ist also eine jährlich wiederkehrende Herausforderung. Er soll schön anzusehen sein, aber es soll auch alles gedeihen. In der Landwirtschaft hat sich schon seit Jahrhunderten, wenn nicht gar Jahrtausenden die Einhaltung einer Fruchtfolge bewährt. Die seit dem Mittelalter bekannte Dreifelderwirtschaft sah für ein Feld im dritten Jahr eine Brache vor, es wurde also nichts angebaut. Nun will niemand im Garten alle drei Jahre Brachland bewundern. Das ist auch nicht nötig, denn eine Kombination von Mischkultur und Fruchtfolge kann hier Abhilfe schaffen. Leider gibt so viel zu beachten, dass sich nicht nur Neulinge schwertun.

Was ist Mischkultur?

Während bei einer Fruchtfolge ein Beet mit nur einer Kultur bepflanzt und abgeerntet wird, setzt sich ein Mischkulturbeet, wie der Name schon vermuten lässt, aus mehreren Pflanzenarten zusammen. Man nutzt die gesamte Vegetationsperiode aus und macht sich dabei die Eigenschaften der einzelnen Pflanzen zu Nutze. Denn Pflanzen sind in der Lage, durch Botenstoffe im Wurzelbereich oder ätherische Öle über die Luft eine Abwehrwirkung gegenüber Schädlingen zu erzielen, die auch den pflanzlichen Nachbarn zugutekommen kann. Bei einer geschickten Kombination dieser Pflanzen in einem Beet hat man somit noch eine einhundert prozentig natürliche Unterstützung bei der Schädlingsbekämpfung.

Das ist das Hauptmerkmal einer Mischkultur. Man kann auch Blühpflanzen wie Tagetes, Salbei, Lavendel, Mohn, Kamille oder Kapuzinerkresse mit integrieren. Das ist nicht nur eine optische Aufwertung eines Gemüsegartens, sondern wehrt auch Kohlweißling, Läuse, Drahtwürmer und Schnecken ab. Nützlinge wie Bienen, Hummeln und andere Bestäuber werden dagegen angelockt. Wie schon erwähnt, kann man die Pflanzen nicht einfach bunt durcheinander würfeln. Es geht schon los mit unterschiedlichen Pflanzzeiten, den Bedürfnissen und den Eigenschaften der Pflanze (Starkzehrer, Tiefwurzler etc.)

Welches Gemüse passt zusammen?
Welches Gemüse passt zusammen? Mischkultur ist auch eine Augenweide

Theorie und Praxis

Leider nein. Denn man muss auch noch die Gegebenheiten und das Platzangebot eines jeden Gartens berücksichtigen. So wird man beispielsweise die Erdbeeren nicht jedes Jahr der Fruchtfolge wegen umpflanzen, sondern sie zwei, drei Jahre an ihrem Ort stehen lassen. Aber es gibt einige Faustregeln, die schon eine grobe Einteilung bei der Gestaltung der Gemüsebeete zulassen. Früher, als man sich noch an jeder Ecke Kuhmist besorgen konnte, hat man die Gartenfläche in zwei Hälften geteilt und abwechselnd einmal die eine, dann die andere Hälfte mit Kuhmist gedüngt. Weil nicht jede Pflanze einen frisch gedüngten Boden mag. Manchmal wird im Internet eine Vierteilung der Gartenfläche empfohlen, wo man reihum im ersten Jahr Starkzehrer, gefolgt von Mittel- und Schwachzehrer und schließlich Grün – Dung pflanzt bzw. einsät.

Die Generationen vor uns hatten neben dem reichlich verfügbaren Kuhmist aber noch andere unschätzbare Vorteile: Den gesunden Menschenverstand, von dem sie regen Gebrauch machten und die von der Vorgängergeneration übernommene Erfahrung. So wussten sie auch ohne Apps und Tabellen im Internet, wie sie den Ernteertrag in ihrem Sinne positiv beeinflussen konnten. Leider wurde die Übermittlung dieses Wissens durch den sich flächendeckend ausbreitenden Wohlstand obsolet, denn wer will sich im Gemüsegarten krumm schuften, wo es doch im Supermarkt das ganze Jahr über Erbsen in Dosen für 59 Cent zu kaufen gibt?

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Die Tabellen über Mischkultur liefern die Theorie. Die Praxis aber muss sich an den Gegebenheiten orientieren. Was soll angebaut werden und wie viel wovon? Man sollte am Anfang die Auswahl überschaubar halten und bei der Gartenplanung sich Beetkombinationen mit nur zwei, drei Sorten auswählen. Dabei sind natürlich die Zeiten der Aussaat und der Ernte zu beachten. Der Erfahrungsschatz wird mit jedem Jahr größer und das ist das Einzige, was in einem Gemüsegarten garantiert ist. Nachfolgend eine kleine Aufstellung in alphabetischer Reihenfolge, was in einem Beet mehr oder weniger gut zusammen passt. Grün ist günstig, rot eher ungünstig. Ohne Gewähr.

  • Aubergine: Blumenkohl, Spinat, Salat, Brokkoli und Kohl, Erbsen, Rote Beete
  • Bohnen: Dill, Kresse, Bohnenkraut, Gurke, Sellerie, Kohl, Kürbis, Salat, Rüben, Spargel, Tomaten, Rhabarber, Erbsen, Fenchel, Zwiebel, Lauch.
  • Blumenkohl, Brokkoli: Kartoffeln, Erbsen, Rote Beete, Aubergine, Sellerie Tagetes und Ringelblume (Calendula), Zwiebeln, andere Kohlsorten
  • Erbsen: Kohl, Karotten, Spargel, Puffbohne, Rettich, Rettich, Salat, Bohnen, Kartoffeln, Tomaten, Zwiebel, Lauch
  • Erdbeeren: Knoblauch, Lauch, Schnittlauch, Zwiebeln, Ringelblumen, Kohlgewächse
  • Fenchel: Erbsen, Salat und Gurken, Bohnen, Tomaten, Kümmel, Paprika, Kohlrabi. Fenchel entwickelt sich besonders gut nach dem Anbau von Frühkartoffeln.
  • Gurken: Dill, Bohnen, Kohl, Zwiebeln, Knoblauch, Paprika, Mais, Spinat, Fenchel, Sellerie, Salat, Radieschen, Zucchini. Achtung, man sollte nicht Tomaten und Gurken zusammen in einem Gewächshaus pflanzen, da sie völlig andere Bedürfnisse haben. Die Tomate mag es gerne warm und trocken, die Gurke dagegen warm und feucht.
  • Karotten, Möhren: Lauch- und Zwiebelgewächse, Erbsen, Radieschen, Rettich, Mairübchen, Dill, Pfefferminze, Sellerie.
  • Kartoffeln: Meerettich, Baldrian, Kohlrabi, Mais, Bohnen, Tagetes, Kapuzinerkresse. Tomaten, Erbsen, Sellerie, Aubergine.
  • Knoblauch: Erdbeeren, Salat, Gurken, Möhren, Erbsen, Kohl, Bohnen, Zwiebel- und Lauchgewächse. Knoblauch hat eine desinfizierende Wirkung und ist eine ideale Unterbepflanzung bei Obstbäumen.
  • Kohlgewächse: Erbsen, Rhabarber, Tomaten, Sellerie, Kresse, Gurken, Auberginen, Möhren, Pfefferminze, Rote Beete und Mangold, Kamille, Tagetes, Ringelblume (Calendula), andere Kohlarten, Kartoffeln, Erdbeeren, Zwiebel, Lauchgewächse, Knoblauch.
  • Kürbis: Mais, Zwiebeln, Bohnen, Gurken, Zucchini.
  • Lauch: Möhren, Schwarzwurzeln, Sellerie, Kohlrabi, Erdbeeren, Salat, Tomaten, Pastinaken, Rote Beete, Knoblauch, Zwiebeln, Erbsen, Bohnen.
  • Mais: Bohnen, Pastinaken, Möhren, Kohl, Gurken, Kürbis, Rote Beete, Sellerie.
  • Mangold: Pastinaken, Möhren, Kohl, Bohnen, Radieschen. Rote Beete, Schwarzwurzel, Spinat.
  • Obstbäume und Beerenbüsche: Lavendel, Knoblauch, Meerrettich, Kapuzinerkresse, nichts 🙂
  • Paprika: Tomaten, Gurken, Möhren, Kohl. Fenchel, Kapuzinerkresse. Paprika sollte nicht unter einem Walnussbaum angebaut werden.
  • Rote Beete: Zucchini, Zwiebeln, Gurken, Bohnen, Kohl, Knoblauch, Salat, Lauch. Mangold, Kartoffeln, Aubergine, Spinat.
  • Radieschen und Rettich: Salat, Spinat, Möhren, Bohnen, Kohl, Erbsen, Kresse, Petersilie, Mangold, Erdbeeren. Gurken.
  • Rhabarber: Erbsen, Bohnen, Salat, Kohl, Spinat. nichts. 🙂
  • Salat: Rhabarber, Lauch, Knoblauch, Kartoffeln, Spargel, Auberginen, Bohnen, Bohnenkraut, Schwarzwurzel, Rettich, Erbsen, Ringelblume. Petersilie, Sellerie, Kartoffeln.
  • Schwarzwurzeln: Salat, Bohnen, Radieschen, Möhren, Lauch und Ringelblumen. Mangold.
  • Sellerie: Lauch, Spinat, Tomaten, Kohl, Erbsen, Bohnen, Dill, Ringelblume. Möhren, Mais, Salat, Kartoffeln.
  • Spargel: Bohnen, Erbsen, Salat, Dill, Petersilie, Ringelblume. nichts. 🙂
  • Spinat: Rhabarber, Radieschen, Bohnen, Rettich, Kohl, Tomaten, Kresse, Sellerie, Aubergine. Rote Beete, Mangold.
  • Tomaten: Petersilie, Basilikum, Zwiebeln, Knoblauch, Bohnen, Kamille, Lauch, Sellerie, Salat und Kohl. Gurken, Fenchel, Kartoffeln, Erbsen. Tomaten wehren den Kohlweißling ab. Tomaten sollten nie unter einem Walnussbaum angepflanzt werden.
  • Zucchini: Bohnen, Mais, Zwiebel. Gurke, Kürbis.
  • Zwiebel: Möhren, Kürbis, Tomaten, Rote Beete, Erdbeeren, Zucchini, Kamille, Dill. Bohnen, Kartoffeln, Erbsen, Kohl, Lauchgewächse.

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